Archiv für Dezember 2011

Erfahrungsbericht Castor blockieren 2011:

Am Samstag Vormittag bin ich mit meiner Bezugsgruppe im Camp Gedelitz angekommen. Auf dem Weg dorthin waren überall gelbe Xse, Atommülltonnen, Stoffpuppen (zum Teil erhängte), etc. in den Gärten, neben den Straßen und an Bäumen. Anscheinend stand fast die gesamte Wendländer Bevölkerung hinter dem Protest! Im Camp dann erst mal Zeltaufbau und Informationen. Das Camp war genial organisiert, es gab einen Infopunkt mit Castorticker, Sanizelt, HelferInnenzelt, Essenszelt, Küche, Waschzelt, ein Zelt zum Strohsäcke stopfen für die Blockade, eins mit Hamburger Gittern zum Absperrung überwinden üben und einen Saal, in dem die Aktionstrainings stattgefunden haben. Ich war auch am Samstag gleich in einem Training und hab viel über friedlichen Widerstand und zivilen Ungehorsam gelernt, bzw. wie man Polizeiketten durchfließt, oder verschieden Sitzblockadetechniken usw. Am Samstag Mittag war dann die Großkundgebung in Dannenberg zu der schätzungsweise 23 000 Menschen kamen + über 500 Traktoren!
Viele waren aber zu der Zeit schon mitten in verschiedenen Aktionen, wie z.B. Schottern, also die Steine aus dem Gleisbett entfernen. Die Nacht von Samstag auf Sonntag hab ich im Camp verbracht, Sonntag um 14 Uhr gings dann mit ca. 1000 Leuten los Richtung Castorstrecke bei Gorleben. Es wurden 2 Polizeiketten von uns durchflossen (ohne Probleme, viel zu wenig Bullen, die waren alle noch mit anderen Aktionen im ganzen Wendland beschäftigt) und dann waren wir auch schon auf der Straße.
Dort waren wir ca. 25 Stunden. Diese waren einfach klasse! Super Stimmung bei allen (außer den Bullen), es kam eine VoKü und hat Essen gemacht, Dixiklos wurden hingefahren, Stroh auch (für die Nacht) und ein DJ von Robin Wood war da und hat aufgelegt. Die Nacht war größtenteils trocken und ich hab sogar ca. 8 Stunden schlafen können, bis dann die Sonne aufging. Dann noch bisschen Zeitvertreib mit Kartenspielen, etc, bis um 15 Uhr (Montag) die Meldung zur Räumung kam, anscheinend hatten sie jetzt genug Bullen hergeschafft, wir waren nun etwa 1500 Menschen, da von den anderen Blockaden noch Leute zu uns gestoßen sind. Also haben wir alles zusammengepackt und uns vorbereitet. Ich habe mich wegtragen lassen, was gewaltfrei zuging, aber auch nur, weil direkt vor mir die Presse war, 100 m weiter hat man schon vereinzelt Schreie gehört („Sie tun mir weh!“ und „Keine Gewalt!“), die Bullen gingen da, wo keine Kameras waren brutal vor und wendeten Schmerzgriffe an. Vor allem bei anderen Aktionen, wie z.B. dem Schottern kamen die Schlagstöcke und das Pfeffer stark zum Einsatz, auch in Laase gab es massive Polizeigewalt, die sind zum Teil mit ihren Pferden durch die Menge geritten! Ich hatte eben Glück, mir ist nichts passiert. Nach der Räumung wollten wir bei der Polizei noch ein bisschen Chaos machen, also sind wir mit 30 Leuten singend durch den Wald aufs Zwischenlager Gorleben zugelaufen, inzwischen war es dunkel und wir wurden etwa 50 Meter vor dem Lager von Taschenlampen aufgehalten, aber Ausrede war schon parat: „Oh, wir haben uns verlaufen, ruhen wir uns erst mal aus hier und machen Picknick…“, wir hatten noch viel Spaß am Montag Abend! Danach gings wieder zurück ins Camp, wo wir den Rest der Castorstrecke per Ticker verfolgt haben (es gab keine Blockaden mehr, wir waren die Letzte). Am Dienstag gings dann wieder zurück nach Hause. Insgesamt hat der Castortransport 126 Stunden gedauert, damit wurde der Rekord von 2010 (92 Stunden) deutlich übertroffen! Vielen Dank an alle Schotterer, Schienen-/Straßenblockierer, Greenpeace, Robin Wood, die wendländischen Bauern, die es den Bullen mit ihren Landmaschinen sehr schwer machten, ihre Einsätze zu koordinieren und ein dickes Lob an die 4 Bauern, die den Castor 15 Stunden aufhielten, indem sie sich in eine auf den Schienen fixierte Pyramide betonierten. Wir alle haben gezeigt, dass es mit dem Atomausstieg-Light der Regierung noch lange nicht getan ist, es gibt noch viel zu tun!